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Zum Anlage-Skandal von Frick

Die grossen Vermögensbetrugsaffären in der Schweiz scheinen um einen weiteren Fall „reicher“ zu sein. Im Brennpunkt steht eine Investmentfirma mit Büros in Frick.

Es geht mir im Folgenden nicht direkt um die kriminellen Machenschaften der ASE Investment AG mit Domizil in Engelberg und Büros in Frick und auch nicht um deren Helfershelfer bei der Zürcher Filiale der Basler Kantonalbank. Damit beschäftigt sich die Aargauer Staatsanwaltschaft und bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt ohnehin die Unschuldsvermutung. Das aber kann bei raffinierten Vermögensbetrügen sehr lange dauern. Der Fall Behring, ebenfalls mit Fäden ins obere Fricktal, lässt grüssen. Sein Anlagemodell, basierend offensichtlich auf dem berüchtigten Schneeballsystem, platzte 2004, eine Anklage liegt bis heute noch nicht vor!

Selbstzerstörerische Renditegier!
Schon viele Jahre schreibe ich diesen Geld-Artikel. Dabei warnte ich immer wieder vor den zehn Todsünden, die es von Sparern und Anlegern zu beachten gilt. Gleich gegen drei dieser Gebote ist auch in vorliegendem Fall verstossen worden, nämlich

  • Vertraue niemandem Geld an, den Du nicht kennst oder über dessen Bonität Du keine gesicherten Referenzen besitzt.
  • Investiere nicht in Anlagen, deren Mechanismus Du nicht begreifst.
  • Je höher die in Aussicht gestellten Renditen, umso höher die Risiken. Deshalb Hände weg vor obskuren Traumrenditen!

Eine riesige Portion Selbstverschulden ist also mit im Spiel, wenn man einer kaum bekannten Investmentfirma eigenes Vermögen zur Verwaltung anvertraut. Kommt man im Obligationenbereich gerade noch auf Renditen von 2 %, dann halte ich es schlicht für unmöglich, mit Devisengeschäften auf sichere Jahresgewinne von 9, 12 oder gar 15 % zu kommen. Das aber soll der wohl klingende „Quanto Strategic Currency Fund“ von ASE gemäss Medienberichten und Aussagen von Geschädigten in Aussicht gestellt haben. Skandalös, wer so etwas verspricht, skandalös aber auch, wer das glaubt!

Von Schenkkreis, EKC bis Madoff
So lange es Menschen gibt, die aus Renditegier unvorsichtige Anlagen tätigen, so lange sterben auch die Finanzjongleure und Schneeballakrobaten nicht aus. Vermögensverluste vermag man vielleicht noch verkraften. Besonders tragisch ist es aber, wenn Geld- und Renditegier gar zu Gewalttaten führen. So eben erlebt beim Prozess über die Schenkkreis-Morde von Grenchen. Schenkkreise sind Schneeballsysteme in Reinkultur. Zum Funktionieren braucht es eine stets wachsende Anzahl von Teilnehmern, die zu Geldzahlungen an Vorläufer bereit sind, in der Hoffnung, es geschehe ihnen alsbald gleichermassen, aber in vielfältigem Ausmass. Versiegt die Rekrutierung von neuen Teilnehmern, bricht das System zusammen.

So funktionierte vor 20 Jahren auch der berüchtigte European Kings Club (EKC). Wer für 1‘400 Franken einen „Letter“ erworben hatte, dem wurde die Rückzahlung von 12 Monatsraten zu je 200 Franken in Aussicht gestellt. Das ging am Anfang gut so, bis sich keine neuen Erwerber mehr finden liessen. Am Ende warteten 80‘000 Anleger, davon 20‘000 aus der Schweiz, vergeblich auf die Rückzahlung von 1,6 Milliarden Franken. 1996 ging der EKC in Konkurs; 2007 wurde dessen Drahtzieherin Damara Bertges zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Der meines Wissens grösste Anlagebetrug flog im Dezember 2008 auf. Der US-Finanzjongleur Madoff setzte unter Vorspiegelung hochrentabler Hedge Funds 65 Milliarden Dollars in den Sand. Er war teilgeständig und fasste eine Freiheitsstrafe von 150 Jahren…

Maximilian Reimann

17.05.2012