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Stromrechnung: Wie weiter, Frau Leuthard?

Eben habe ich von der Elektra-Genossenschaft Gipf-Oberfrick (EGO), dem für die Versorgung meiner Wohngemeinde ebenso kompetenten wie innovativen Stromlieferanten, die Abrechnung für das 1. Semester dieses Jahres erhalten. Die EGO bezieht sämtlichen Strom von der kantonseigenen AEW Energie AG. Insbesondere ist diesmal meine Aufmerksamkeit auf den bis zu drei Stellen hinter dem Komma ausgewiesenen Strommix gefallen. Danach wird Gipf-Oberfrick – wie wohl auch die meisten anderen Gemeinden im wasserreichen Kanton Aargau – mit 15,4 % Wasserkraft Inland, 62,6 % Kernenergie Inland und 22 % Kernenergie Ausland versorgt. Fast 85 % des hier verbrauchten Stromes stammen also aus Kernkraftwerken. Hinter den hochgepriesenen Zukunftsenergien aus Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie und KEV-Eigenförderung prangte jeweils eine 0,000%.

In der Herbstsession 2011 überwiesen National- und Ständerat gleichlautende Motionen zum zügigen Ausstieg aus der Kernenergie. In rund 25 Jahren solle es so weit sein. An vorderster Front kämpfte die neue Energieministerin Doris Leuthard für den Ausstieg. Um ihre CVP-Bundesrätin nicht im Regen stehen zu lassen, wurden die CVP-Parlamentarier vorgängig der Abstimmung massiv diszipliniert. Selbst kernenergiefreundlichen Fraktionsmitgliedern blieb nichts anderes als Zustimmung übrig, worüber sich manche dann nachträglich, Windfahnen gleich, zu rechtfertigen versuchten.

Auch in 25 Jahren wird die EGO mein Dorf weiterhin mit Strom versorgen und ihre Rechnungen verschicken. Wie aber wird der Strommix dann aussehen? Womit werden die 85 % Kernenergie ersetzt werden? Darüber liess und lässt sich Bundesrätin Leuthard nicht in die Karten blicken. Weil sie es nicht kann! 25 Jahre sind in der Grosstechnologie allerdings eine kurze Zeitspanne. Deshalb haben wir Anrecht auf klare Antworten. Kann es sein, dass sich Frau Leuthards Energiepolitik dereinst als populistischer Kniefall vor den Angstmachermedien erweisen wird? Die künftigen Stromrechnungen von EGO und AEW werden uns klare Antworten bringen, auf drei Stellen hinter dem Komma genau…

Maximilian Reimann, Nationalrat, Gipf-Oberfrick

31.07.2012