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Schadet Abzocker-Initiative Wirtschaftsstandort?

Auf dass es nochmals klar gesagt ist: Das ist eine Geld-Kolumne und nicht eine verdeckte politische, wie es mir jüngst alt-Grossrat Martin Troller zu unterstellen versucht hatte. Aber Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik gehen nun einmal nahtlos ins Geld-, Zins- und Börsengeschehen über. Beides ist untrennbar miteinander verbunden, wie auch das nachfolgende Exempel beweist, worüber das Schweizervolk am 3. März abstimmen wird.

Wer wird geschädigt?
Unbestritten ist dies: Masslose Abzockerei durch geldgierige Manager schadet den Eigentümern und damit den Aktionären. Aktionäre sind aber nicht einfach gut betuchte Leute, sondern wir alle sind es, via AHV-Fonds, Pensionskassen oder auch Direktbesitz im eigenen Depot. Deshalb muss der widerlichen Abzockerei, wie sie sich leider nun einmal entwickelt hat, politisch der Riegel geschoben werden. Sowohl die Volksinitiative als auch der indirekte Gegenvorschlag tun das. Die Initiative aber einfach noch etwas rigoroser!

Und der Wirtschaftsstandort als Ganzes?
Man darf Abstimmungskampagnen nie als bare Münzen nehmen, auch hier nicht, wo die Gegner mit schwerem Geschütz auffahren und bei einem Ja dem Wirtschaftsstandort Schweiz grosse Nachteile voraussagen. Kampagnen müssen übertreiben, auf dass ihre Botschaften mindestens teilweise ankommen. Erinnern wir uns noch an die EWR-Abstimmung von 1992? Da sprach der auch von mir hochgeschätzte damalige Staatssekretär Franz Blankart, der Doyen unserer damaligen Wirtschaftsdiplomatie, die kühnen Worte: „Wird der EWR abgelehnt, bittet die Schweiz schon 5 Jahre später auf allen Vieren die EG/EU um Vollmitgliedschaft.“ Oder was wurde uns bei einem Ja zur Minarett-Initiative von 2009 prophezeit: Islamische Staaten werden zu Hauf Kaufverträge von schweizerischen Gütern stornieren. Kommentare dazu wohl überflüssig!

Fazit aus meiner Sicht
Sollte es effektiv börsenkotierte Unternehmen geben, deren Verwaltungsräte und Top-Manager oberste Priorität der Selbstbereicherung mit Löhnen, Boni und anderen fragwürdigen Bezügen einräumen, dann brauchen sie von mir aus ihre Sitze nicht in die Schweiz zu verlegen. Und wenn bereits in der Schweiz kotierte Unternehmen wegen der unterbundenen Abzockerei ins Ausland wegziehen wollen, dann frage ich mich: Wohin wollen sie denn gehen? Ein Mentalitätswandel in Sachen Abzockerei ist seit der Finanzkrise von 2008/2009 nämlich weltweit in Gang gekommen. Warten wir also mal gelassen ab!

Maximilian Reimann

17.01.2013